Was Chefs von der Nationalmannschaft lernen können.

von Robert Wreschniok

Der Zeitlupen-Montag ist geschafft. Dienstag. Tag zwei nach dem Titel. Heute sind wir zwar immer noch Weltmeister... aber sind wir auch bessere Chefs?

Was Chefs von der Nationalmannschaft lernen können.

Der Zeitlupen-Montag ist geschafft. Dienstag. Tag zwei nach dem Titel. Heute sind wir zwar immer noch Weltmeister... aber sind wir auch bessere Chefs? Was das eine mit dem anderen zu tun hat, konnte man in einem SZ-Interview vom 12. Juli mit Wolfgang Jenewein, Professor für Betriebswirtschaft an der Universität St. Gallen, lesen: Was kann man in Sachen Leadership von der deutschen Nationalmannschaft lernen? Hier eine kurze Zusamenfassung der Punkte, die mich besonders inspiriert haben:

 

1. Inspiration: Teams schweißt man am Arbeitsplatz zusammen.

Teambuilding funktioniert nur auf dem Platz. Zu viele Führungskräfte setzen auf künstliche Events. Man isst ein Fünf-Gänge-Menü oder geht mit einem Profi auf den Berg. Das ist wenig effektiv. Dann läuft es in der Praxis wie bei schlechten Fußball-Mannschaften. Prof. Jenewein bringt es im Interview wunderbar auf den Punkt: „Die Verteidiger stehen hinten und sagen: Jetzt schauen wir mal, ob die Deppen vorne endlich mal ein Tor schießen. Die Stürmer stehen vorne und sagen: Die Idioten hinten haben wieder nicht dicht gehalten. Wie viele Tore muss ich denn noch schießen?“

2. Inspiration: Gute Mannschaften nutzen die Intelligenz des Schwarms.

Unsere Nationalmannschaft hat es bei mehr als einem Gegner gezeigt: Bei komplexen Problemen helfen nur Komplexität, Variabilität und Vielfalt. Der Verteidiger spielt auch im Mittelfeld, der Mittelfeldspieler in der Innenverteidigung, der Innenverteidiger agiert als rechter Außenverteidiger. Man baut Vielfalt auf, um den Gegner zu verwirren, geht neue Wege, um Probleme zu lösen. Die Brasilianer können ein Lied davon singen. Die Zeit der Spezialisten ist vorbei. Früher gab es einzelne Platzhirsche (Messi), die den Takt vorgaben, heute spielt ein ganzes Orchester (unser Team) zusammen. Aber hat sich dieser Teamgeist schon in den Top-Etagen durchgesetzt? Gerade unter Druck erlebt man Bereichsegoismen und Silodenken – aber wenig kollektives, integratives Verhalten wie so wunderbar oft bei unserer Mannschaft auf der WM in Brasilien.

3. Inspiration: Die üblichen Ziele führen nicht zum Ziel

Jeder Großkonzern hat eine Broschüre, in der ein abstraktes Ziel genannt wird. Aber es ist keine Vision, 100 Mrd. EUR Umsatz zu erreichen. Damit erreicht man weder die Herzen der Mitarbeiter, noch die der Kunden. Es geht nicht nur um das platte Ziel. Man muss herausarbeiten, was es für einfache Mitarbeiter bedeutet und was es Kunden eigentlich bringt, ein solches Ziel zu erreichen. Professor Jennewein ist überzeugt: „Intelligente Teams, wie die deutsche Nationalmannschaft, legen deshalb auch Verhaltenskomponenten fest: Wie wollen wir auftreten? Wie wollen wir wahrgenommen werden? (...) Ziel war es leidenschaftlichen Fußball zu bieten, Menschen zu begeistern. Kinder sollten wieder stolz sein auf diese Mannschaft.“ Warum sollten wir nicht gleich morgen solche Verhaltenskomponenten mal mit unseren Teams diskutieren? Wer wäre dann auf uns stolz?

4. Inspiration: Leadership Aktivierung braucht Sinn & Verstand

Wolfgang Jennewein ist überzeugt, dass Ziele aktivieren können, wenn sie auch Sinn machen. Verstehe ich die Ziele? Was bringt meine Organisation in die Welt? Was ist ihr Zweck? „Nicht nur sagen, „Was machst du?“, sondern auch: Wie machst Du etwas und warum?“ und  weiter: „Früher sagte der Trainer beim Fußball: jetzt werden Standards trainiert. Und die Mannschaft wurde 5 Runden um den Platz gehetzt. Heute muss es der Trainer begründen: „Weil man nächste Woche gegen eine körperlich kleine Abwehr spielt.“ Haben Sie beobachtet, wie sich Schweinsteiger, Gross, Oezil und Müller vor vielen Standards beraten haben? Der Grund: Joachim Löw und Co-Trainer Hansi Flick sind bei der WM noch einen Schritt weiter gegangen: Sie haben die Spieler selbst Ideen für Standard-Situationen entwickeln lassen. Das ist inspirierend und intellektuell anregend. Ganz anders, als wenn der Trainer für jeden Schritt detaillierte Vorgaben macht.

Robert Wreschniok

Robert Wreschniok ist Experte für Strategieaktivierung. Er organisiert und vermittelt Unternehmensstrategien so, dass sie zum Mitdenken und Mitmachen motivieren. Insbesondere hat er sich in den letzten Jahren auf Fragen der Visualisierung von Strategie und des Strategy Designs spezialisert.

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